Ein Stück meines Weges...

Wenn ich heute alte Bilder von mir anschaue, sehe ich eine alte Version von mir. Die Haltung, die Gesichtszüge, die traurigen und müden Augen, eine ganz andere Energie um mich herum. Klar, man verändert sich im laufe der Jahre aber die Frage ist zu welchem Menschen?!

Zu dem der du meinst sein zu müssen oder zu dem der du wirklich sein möchtest?!

 

In meiner alten Version rannte ich den materiellen Dingen hinterher, ich war jeden Tag unterwegs und tat oft Dinge auf die ich nicht gerade stolz bin. Wie jeder von uns, habe auch ich meine Geschichte und ich habe sehr früh gewisse Erfahrungen gesammelt, die ich keinem Wünsche. Durch diese Erlebnisse fühlte ich mich dennoch stark und angetrieben nie aufzugeben. Ich nannte mich selbst ein geprägtes Kind aber sind wir das nicht alle?! Ich liess mir von niemanden etwas sagen und doch fühlte ich mich immer unterlegen und klein.

 

Mitgefühl und Verständnis für andere kannte ich nicht. Dass vieles in meinem Leben nicht gerade harmonisch verlief empfand ich als normal. Ich kannte nichts anderes und dass es so etwas wie Glück und Zufriedenheit gibt, glaubte ich sowieso nicht. Das war doch alles Kitsch! Das Programm "das Leben ist ein Kampf" und "Leiden gehört zum Erwachsen werden" lief von Kind auf in mir. An eine richtige Kindheit kann ich mich nicht erinnern, vielleicht habe ich diese Erinnerungen auch ein Stück weit verdrängt und mich selbst damit geschützt. Ich dachte nie über mich nach und gab die Schuld oft den Menschen in meinem Umfeld. Ich war nicht gerade die Art Freundin, die sich Eltern für ihren Sohn wünschen.

 

Alles im Aussen glaubte ich im Griff zu haben aber mich selbst spürte ich kaum. Mir fehlte auch der Mut, all dem zu begegnen was in mir war. Tief im Inneren, auf einer unbewussten Ebene, wusste ich wieviel Schmerz mich erwartete. Wie viele Mauern, die ich um mich gebaut hatte und wie viel Unwahrheit ich lebte. Während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich damit nicht allein zu sein. Viele Menschen sitzen in einem Programm fest und wissen nicht,  dass sie die Möglichkeit haben und wie sie aus diesem Programm aussteigen können.

 

Es gab keine Minute an der ich ruhig da sitzen konnte, keine Stunde die ich alleine verbrachte und keine Momente an denen ich mich wirklich spürte. Keine Sekunde der Stille, nicht im Aussen und erst recht nicht in mir. Ich lief vor mir weg! Ich verurteilte die schönen Gefühle, denn wie kann es sein, dass man ohne etwas zu tun glücklich sein kann?!

 

Das Gefühl von innen heraus zerrissen und aufgefressen zu werden begann mein täglicher Begleiter zu werden. Ich würde heute sagen in einer Depression gewesen zu sein aber auch dies ist heute für viele ein "normaler" Zustand. Mein Bruder sagte mal zu mir: Wenn der Schnee schmilzt, sieht man wo der Hund hin geschissen hat (entschuldige den Ausdruck). Doch genau dieser Moment war nun da, der Schnee war geschmolzen. All meine Trauer in Form von Zorn, all meine Verletzungen in Form von Selbsthass, all die negativen Gefühle an denen ich mich festhielt um einen Grund zu haben nicht glücklich sein zu müssen, waren nun auf physischer- und psychischer Ebene zu sehen. Das Leben zwang mich nun hinzuschauen, jetzt gab es keinen Hinterausgang mehr. Ich Stand vor zwei Möglichkeiten: Entweder gehe ich die Symptome an und lasse mir Medikamente verschreiben oder ich behandle den Ort in mir aus dem die ganzen Gefühle hervorkommen, die Ursache. Denn eins glaubte ich schon immer: Alles im Leben hat einen Grund und wir sind nie allein!

 

Damals wusste ich nicht worauf ich mich da einlasse aber für mich kam keine andere Möglichkeit in Frage. Ich folgte der Jahrelangen unterdrücken Stimme in mir, die ich noch nie zuvor so laut schreien hörte. Ich hörte das erste mal auf mein Herz und ein neues Leben begann. Tief in uns haben wir immer eine Antwort und Lösung, doch sind wir bereit hin zu hören?! Sind wir bereit uns dieser Angst zu stellen?! Der Angst Verantwortung für uns selbst zu übernehmen?!

 

Ich begann mich selbst zu erforschen und den Blick nach innen zu wenden. Zum ersten Mal zeigte ich mich schwach und bat um Hilfe. Ich war so lange der Überzeugung alles alleine schaffen zu müssen aber jetzt ging dies nicht mehr. Ich lernte eine wundervolle Frau kennen, die mir eine neue Welt zeigte. Eine Welt in der für mich alles einen Sinn ergab und so begann ich zu meditieren. Was mir zu beginn überhaupt nich einfach viel. Ja, ich zwang mich dazu. Ich lass viele Bücher, besuchte Seminare und gab viel Geld aus für meine persönliche Entwicklung. Die beste Investition in meinem Leben und ich werde nie damit aufhören, bis ich diesen Körper wieder verlassen darf. Ich weiss nicht wo ich jetzt wäre wenn ich dies nicht getan hätte und ich möchte es mir auch nicht vorstellen.

 

Ich lernte einen wundervollen Mann kennen, der mir zeigte was Beziehungen wirklich bedeuten. Ich lebe meinen Herzensweg, ich helfe Menschen, so wie mir geholfen worden ist. Mein eigener Schmerz ist mein grösster Schatz, meine Ängste mein grösster Antrieb und das Vertrauen meine Sicherheit.

 

Heute verspüre ich tiefe Dankbarkeit für all die Menschen die mich verletzen haben, für all die Erfahrungen für die ich mich geschämt und verurteilt habe, für all die Liebe die ich nicht bekam, für jede einzelne Sekunde in meinem Leben die unangenehm war und natürlich für all die schönen Momente. Es war alles andere als einfach aber ich bin heute ICH. Voller Selbstliebe und Dankbarkeit. Es erscheint mir wie ein grosser Plan, denn ich wäre ohne mein altes ICH nicht exakt an dem Punkt wo ich heute bin. Ich könnte nicht das tun was ich heute tue und dieses tiefe Vertrauen in das Leben und in mich selbst spüren. Das Leben schenkt uns immer wieder neue Situationen an denen wir wachsen können. Es ist Zeit zu erwachen!

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